Was bedeutet Rechtssicherheit? In Bezug auf Trinkwasserinstallationen und den davon ausgehenden Gefahren für die Gesundheit von Menschen spricht man von Rechtssicherheit, wenn bei Auswahl, Installation und Betrieb der Anlage die „allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT)“ beachtet werden. Was bedeutet das konkret? Die aaRdT sind technische Regeln, die sowohl in der Wissenschaft als theoretisch richtig anerkannt als auch in der Praxis durchweg bekannt sind. Sie  beziehen sich auf Techniken und Methoden, die sich in der Praxis bewährt haben. Vorgegeben werden diese Regeln für Belange der Trinkwasseraufbereitung unter anderem von DIN Normen (DIN 2000, DIN 1988), VDI Richtlinien (VDI 6023), Empfehlungen des Umweltbundesamtes, RKI Richtlinien und den Arbeitsblättern  des Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches DVGW. Mit seinen Arbeitsblättern gibt also auch der DVGW somit einen rechtlich relevanten Maßstab für die Haftung und Verantwortung von Praxisbetreibern vor.

Nach wie vor wird die chemische Desinfektion, ob kontinuierlich oder in Form von Stoßdesinfektionen, als DIE Desinfektionsmaßnahme für Zahnarztpraxen verkauft. Doch ist damit eine rechtliche Absicherung möglich?

Es ist lange schon bekannt, dass chemische Desinfektionsverfahren bei pH-Werten über 7,5 sowie bei der Anwesenheit von Biofilm und Amöben in Rohrleitungssystemen unwirksam sind und eine vollständige Desinfektion nicht mehr gewährleistet werden kann. So gibt der DVGW in seinem Arbeitsblatt W551, das zu den anerkannten Regeln der Technik gehört, bereits im Jahr 2004 zum Thema Desinfektion durch den Einsatz von Chemie zur Legionellenentfernung folgendes vor:

„Nach derzeitigem Kenntnisstand werden Legionellen dadurch nicht ausreichend beseitigt. Eine kontinuierliche Desinfektion mit Chemikalien ist demnach nicht zweckmäßig“. (Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V., 2004)
Im Schadensfall ist der Praxisbetreiber allein durch den regelmäßigen Einsatz von Chemie somit rechtlich NICHT abgesichert.